Kempen

Es fanden sich (leider nur) fünf Mitglieder des Vereins zum Atelierbesuch bei Edith E. Stefelmanns ein.

Nach freundlicher Begrüßung bei Kaffee und Kuchen gaben Gilbert Scheuß, Edith Stefelmanns, Marianne Reiners-Maaz und Manfred Messing Einblick in die Ideen, die jeweils hinter den danach besichtigten sakralen Kunstwerken stehen. Die vier Künstler sind miteinander befreundet und arbeiten häufiger zusammen. Es ging zunächst in die alte Propsteipfarrkirche St. Mariä Geburt, wo Manfred Messing in die Umgebung eines erhaltenen gotischen Chors (mít Annen-Altar, Chorgestühl und Sakramentsturm sowie einem großen Marianum im Hauptschiff) einen würfelförmigen Zelebrationsaltar aus grauem schwedischen Granit (mit drei vertikalen Schnitten durch den Altarblock sowie einer goldenen, fast horizontal verlaufenden, gebrochenen Lebenslinie) sowie einen Ambo aus dem gleichen Material hineinsetzen konnte. Die Proportionen sind stimmig, so dass sich die neuen Ausstattungsteile bei aller erkennbaren Modernität in den Raum gut einfügen. Nächste Station war das Hospital zum Heiligen Geist, wo sich im Foyer eine sakrale Installation von Edith Stefelmanns befindet. Über einem alten Figurenpostament hängt ein Altarkreuz als eine Art Hinterglasmalerei (rote Acrylfarbe hinter Acrylglas), das eingeritzt die Umrisse des gekreuzigten Erlösers zeigt. Durch das Arrangement über dem Postament erhält die Situation die Anmutung eines Altars. Gegenüber befindet sich eine fünfgeteilte, grüne Acrylmalerei (hinter Acrylglas) von „Spuren des Lebens“ (so der Titel), die eingeritzt Gesichter auf hellerem und dunklerem Grund in unterschiedlicher Höhe erkennen lassen. Die Gesamtsituation im Foyer des Krankenhauses mit den Sitzgruppen lädt zum Innehalten und Besinnen ein, kann auch hilfreich Trost in Krankheit und Leid geben. Zuletzt stand die ökumenische Begegnungsstätte in Krefeld-Hüls auf dem Programm, wo Gilbert Scheuß vor dem Eingang aus einer großen, rechteckigen patinierten (rostbraunen) Stahlplatte (auf ca. 40 cm hohen Füßen) ein großes Kreuz herausgeschnitten und aufgerichtet hat. So zeigt sich als Hohlform und aufrecht stehend das Kreuz. Die Verbindung mit Tod/leerem Grab und Siegeszeichen drängt sich auf. Innen in einem (nicht nur) als Sakralraum genutzten Raumteil hängt über dem Altar von Gilbert Scheuß (Stahl, kreuzförmig mit quadratischer, dicker und sehr klarer Acrylglasplatte bedeckt) eine Serie von Gesichtern des Grabtuchs von Turin von Marianne Reiners-Maaz, schwarzer Siebdruck auf transparenter Folie. Dabei sind die Gesichter so angeordnet und gestaltet, dass sich durch die Farbgebung ein Kreuz ergibt. Vor dem hellen Fenster wird der Blick beim Eintritt gleich auf diese große Folie gelenkt, der Raum erhält dadurch einen starken sakralen Charakter. Der Altar – unten rostbraun, oben kristallklar – ist erkennbar als Symbol für Erde und Himmel. Daneben befindet sich noch ein Standleuchter (ebenfalls kreuzförmig; ein hohes Mittelteil aus klarem Acrylglas steht auf einem braunen Stahlfuß, darüber eine ebensolche Leuchterschale) mit einer weißen, kreuzförmigen großen Kerze. Die vier Künstler standen bereitwillig Rede und Antwort, so dass trotz der kleinen Gruppe, vielleicht sogar gerade dadurch ein intensives Erleben von sakraler Gegenwartskunst in verschiedenen Aspekten (Auseinandersetzung mit historischem Raum und fehlendem Einfühlungsvermögen von Zeitgenossen) möglich war.
Ein herzlicher Dank geht an alle beteiligten Künstler, besonders an Edith Stefelmannns und den Organisator, Gilbert Scheuß. (Beiratsmitglied Michale Pütz)

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